SÄGE 4

SÄGE 4

3,400.00

von Jeppe Nørholm Rohde

Serie von 13 Fotos und Konzept
UV-Druck auf Aludibond
10x15cm, gerahmt
Vom Künstler angefertigte Rahmen
Auflage 1/5
2018

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Hinter meinen letzten künstlerischen Arbeiten liegt die Motivation, sie eben so zu gestalten, dass sie mir als Künstler durch ihre Beschaffenheit selbst ein eskapistisches Erlebnis diktieren. So liegt der Fokus vordergründig auf den Konsequenzen, die die Realisierung der Arbeit für mich als Künstler bedeuten. Das Erlebnis selbst stellt das bildhauerische Material dar und wird zugleich Ausgangspunkt und Ziel der Arbeit. Wenn Bäume gebraucht werden, muss man in den Wald gehen.

Gute Geschichten betrachte ich als große Schätze. Jeder verfügt über eine oder mehrere Geschichten aus vergangenen Tagen, die durch mehrfaches erzählen zu fein abgestimmten Paketen geschnürt wurden. Weniger spannende Momente werden weggelassen, dafür andere Aspekte hervorgehoben, vielleicht sogar übertrieben. So wird hier und da etwas abgetragen und dort etwas aufgetragen; es fällt einem nicht schwer die Parallele zum Bildhauer und seinen Skulpturen zu ziehen. Wenn man nun also diese Erlebnisse oder Geschichten als Skulpturen betrachtet, aber nicht im nach hinein an ihnen feilt, sondern schon im Voraus ihre Ästhetik und ihren Verlauf bestimmt, wird das Erlebnis zum vollständig formbaren bildhauerischen Material.

Objekte oder Ereignisse die der ästhetischen Erwartung an sie entsprechen, strahlen eine gewisse Ruhe aus, da sie durch ihr archetypisches Auftreten zugleich mit dem inneren Bild von ihnen korrespondieren. Ihre Beschaffenheit ist vertraut, denn die Vorstellung von ihnen steht nicht in Konflikt mit ihrer realen Erscheinung. Wie der Gummistiefel in moosgrünem Farbton, ohne unnötige, modische Verzierungen, aber starkem Profil – das Objekt erfüllt die Vorstellung von ihm; ebenso die abenteuerliche Reise, über Stock und Stein mit einem Messer in der Tasche.

Ein Baum, der sich selbst fällt, mag nicht existieren, ist aber in unserer Vorstellung vom Baum durchaus folgerichtig und kein Widerspruch. Die Aktion, einen Baum sich selbst fällen zu lassen, folgt der gleichen Logik des Archetypischen – das Ereignis scheint uns ähnlich vertraut; wie das Moosgrün der Gummistiefel. Der konkrete Baum, der sich fällt wiederum, muss ebenso den Kriterien der Ästhetik des Vertrauten unterliegen – der Baum muss Sinnbild seiner selbst sein; muss Geschichten erzählen, muss der Erwartung an ihn gerecht werden.

Sprachliche Redewendungen wie „den Ast absägen auf dem man sitzt“ werden in dieser Arbeit zum Gegenstand meiner Untersuchung und realisieren sich in einer sprichwörtlichen Handlung. Dabei werden diese uns so vertrauten Sätze in eine andere Szenerie gesetzt. Es entsteht Irritation im Vertrauten. In diesem Fall suchte ich eine große Tanne, die auf einem Berg in Norwegen stand und baute mit verschiedenen Seilwinden ein System, dass die Tanne sich durch ihre dem Wind geschuldeten Bewegungen an der installierten Säge rieb und sich nach ca. 20 Tagen quasi selber gefällt hatte. Dieser Prozess wurde von einer, vor der Tanne installierten, Wildkamera aufgenommen. Die Betrachter*innen sehen den finalen Moment des Sturzes, in einem durch die infrarot Kamera bedingten mystischen Schwarz/Weiß mit der gewischten Bewegung der fallenden Tanne und den schlieren des leichten Regens; Eigenschaften die durch den unvorhersehbaren Zeitpunkt des Brechens der Tanne entstanden.

Die Fotos im Raum werden zum Fenster zur Welt der Aktion.

 

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